Grüß euch Leute.
Wolfi und Dietmar hatten die Starkwindphasen am Godinger Startplatz satt und gingen der Gleitschirmfliegerei fremd.
Nach unzähligen Fragen unsererseits wie den der Umstieg vom Gleitschirm auf den gefürchteten Drachen sei, hat sich Wolfi entschlossen ein Tagebuch über die Schulung zu schreiben.
Mein Bruder und ich ( Kucher Didi und Wolfi) wurden unseren Schirmen untreu und sind an einem Montag mit zwei schnittigen Drachen fremdgegangen.
Mit schlechtem Gewissen unter den Drachen hockend (nach all den Jahren mit dem Schirm) lauschten wir den ersten Anweisungen vom Skyvalley Drachenguru Klaus, der uns auch gleich den Hügel hochjagte.
Dann war es so weit der erste Start. Aufrecht stehend, mit Blick nach vorne sollte ich mit dem 30 Kilo schweren Gerät loslaufen. Ich muss ehrlich zugeben dass bei mir erste Zweifel aufkamen ob das Fremdgehen das richtige ist. Steil Berg ab mit dem Gewicht auf den Schultern? – Wenn was schief geht bremsen! Keine Chance! Ich dachte mir: entweder abheben oder auf die Schnauze fallen, und dann erst das Landen? Wieder auf die Schnauze fallen? Ich noch in Gedanken, hat mich Klaus auch schon über Funk angetrieben. Na ja was soll’s Augen zu und durch.
Nach dem ersten Start und Landung waren mein Bruder und ich angenehm überrascht, denn unsere ersten Zweifel waren völlig unbegründet. Nach jedem Start hatten wir mehr Spaß am fremdgehen. Nur ein Wermutstropfen oder vielleicht irre ich mich auch, aber nach dem siebenten mal auf den Hügel marschieren hatte mein Drachen 60 Kilo.
Tag 2:
Da Didi und ich nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen sind, schickte uns Klaus am zweiten Tag weiter rauf. Wir festigten die Erfahrungen vom ersten Tag speziell das landen mit dem richtigen drücken.
Natürlich war auch der ein oder andere verhaute Start dabei, aber im Großen und Ganzen blieben bei den ersten zwei Tagen alle Aluprofile und Knochen heil.
Tagebuch des Fremdgehens. Kapitel 2
Tag 3:
Voll motiviert von den Erfolgen der ersten zwei Tagen gingen wir am dritten Tag gleich mit voller Power an die Sache ran, was sich im Nachhinein als Fehler erwies. Wir brachten alles in allem an diesem Tag nur zwei Starts über die Bühne. Fazit: drei gezerrte Oberschenkel und ein verstauchter Knöchel.
Faszinierend welch prächtiges Farbenspiel sich auf meinem rechten Knöchel abzeichnete.
Aus diesem Grund hat uns Klaus gütiger Weise eine eineinhalb wöchige Auszeit gegönnt.
Tag 4:
Mit noch leicht ziehen in den Oberschenkeln schleppten wir die Drachen zum Start ins letzte drittel des Übungshanges. Nacheinander Starteten wir, mein Bruder mit der Angst die Oberschenkel könnten wieder Streiken, und ich machte mir Sorgen um meinen Knöchel. Während des Starts hielten die Muskel und Gelenke. Aaaaber im Flug schlich sich ein fataler Fehler ein, der Drache wollte nicht so in die Kurve wie ich es vorhatte!? Und das trotz meines Einsatzes!? (Klaus verlor kurzzeitig die Gesichtsfarbe) Genau dasselbe Problem hatte auch Didi!
Klaus etwas aufgebracht: das ist der typische Fehler, ihr habt nur den Oberkörper gedreht und nicht das Gewicht verlagert wennst do net aufpasst schmierst seitlich weg und Bombst voll ein. Aufi noch a mol aber neama so weit.
Ja, und so wurden wir degradiert und fingen wieder von unten an. Wir mussten einige perfekte Starts und auch Richtungskorrekturen zeigen bevor wir wieder weiter durften, was wir auch taten, da uns dieser Fehler selbst wurmte und ergärte. Uns wurde bewusst das man sich 100 % ig Konzentrieren muss, den Startabbrüche mit dem Drachen gehen meistens ins Auge.
Aber wie man sieht Didi wieder nach perfektem Start und mit lehrbuchartiger Körperhaltung über den Obstbäumen.
Es folgten noch weitere perfekte Starts und Landungen an diesem Tag, so dass wir den Tag auf der Schulungswiese beruhigt abschließen konnten .
Tag fünf:
Das hoch schleppen der Drachen geht uns mittlerweile schon etwas auf die Ei…. aber was soll’s da müssen wir durch. Es hat sich ein Leidensgenosse, Mario aus Graz zu uns gesellt der sich auch schon einige Tage am Hang gequellt hat.
Oben angekommen werden die Dinger erst mal abgestellt, um sich zu erholen ehe es zum Start geht. Mario ist schon so weit das er im liegen runterfliegt, Didi und ich, wir sind noch hängend unterwegs, da es mit der Gewichtsverlagerung noch etwas hapert.
Hier Didi wie er nach einen perfekten Start in der Luft ist.
…… und Mario ebenfalls nach einen perfekten Start in liegender Position bereits im Anflug über unsere Köpfe hinweg
Ja und ich bin wieder mal mit einem Negativbeispiel aufgefallen. Also, so sollte es nicht aussehen kurz nach dem Start.
Manche auf der Schulungswiese behaupten ich sei für die grauen Haare von Klaus verantwortlich, zugegeben nach dem Start wurde es schon laut im Funk, aber ich hatte alles im Griff ( mehr oder weniger) und bin unten heil angekommen.
Unser Guru Klaus hat uns für das nächste mal das umgreifen und liegend Fliegen wie es Mario schon beherrscht angekündigt, na da bin ich gespannt.
Ach ja, Danke Mario für die Schnappschüsse die du mir gemailt hast.
Tag 6:
Wie von Klaus angekündigt, war heute das fliegen in liegender Position an der Reihe. Nach zwei Starts und Flüge in Hängender Position sollten wir beim dritten Start umgreifen und das ganze liegend machen.
Oben angekommen machten wir uns zum Start fertig. Dann aber ein Zwischenfall der besonderen Art.
Die Kühe, vor allem die Jung Stiere (= Junge männliche Kuh, für unsere deutschen Freunde, Ochsen sind die ohne Eier) hatten plötzlich Hormonschübe und bildeten sich ein, sie müssten spontan die Kühe beglücken.
Anscheinend waren die Mädels aber nicht in Stimmung, und ergriffen die Flucht, sodass sie kreuz und quer im Landebereich umher liefen. Klaus, Bernd ein Gleitschirmpilot und Struppi hatten alle Mühe die liebestollen Stiere und Kühe zu bändigen, und sie zurück zu treiben, wo sie hin gehörten. Das ganze nahm sicher eine halbe Stunde in Anspruch.
Aber dann ging’s los.
Schon ein komisches Gefühl wenn man sich reinlegt, und mit dem Kopf voraus fliegt. Überraschend war auch das momentane ansteigen der Gleitzahl wenn man den Körper nach vorlegt. All diese Eindrücke, ließen mich das beschleunigen des Drachens vor einer Kurve vergessen, sodass Klaus wieder laut wurde am Funk. Das Foto sieht besser aus als es in Wirklichkeit war. Nach dieser Aktion wollte ich es gleich noch mal versuchen, was dann aber der Wind vereitelte. Nach einer halbstündigen Wartezeit brachen wir für diesen Tag ab.
Tag 7 u. 8
Die letzten zwei Tage auf der Schulungswiese bestanden nur mehr im so genannten plieren, ( Ausdruck eines Fluglehrers). In Wahrheit heißt das Drachen rauf und wieder runter und das so oft als möglich. Am 8. Tag kam dann die Aussage: „ So! Burschen a mol noch don passt`s“
Didi und ich konnten es kaum glauben, dass wir nun zum letzten Mal hochgingen. Endlich fertig!!!!
Tag 9
Montag der 15.10 war dann der Tag der Tage, der erste Höhenflug stand bevor. Schon am Morgen verspürte ich ein leicht angespanntes Gefühl im Hinblick auf den Höhenflug. Um 16:00 Uhr Treffpunk Flugschule, aufladen und dann hochfahren.
Meine Nervosität machte sich schon beim Aufbau des Drachen bemerkbar, mir fiel der Drachen um, so dass Didi mir helfen musste. Klaus beobachtete das Geschehen, dann kam die Aussage: „Wüllst fliagn damit, oder wüllstn hin mochen!“ Wie man sieht amüsiert sich unser Chef prächtig über unsere Nervosität.
Je näher der Zeitpunkt des Starts rückte umso mehr stieg die Spannung. Hier die letzten Checks vor dem ersten Start. Didi hat sich freiwillig als Erster unter den Drachen gestellt.
Man merkte ihm die Anspannung nicht an, aber nach einem perfekten Start, Flug und auch Landung, beichtete er mir unten, das er die Hose vor dem Start gestrichen voll hatte.
Gleich darauf war ich an der Reihe. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich fix und fertig war, die Anspannung hat man mir vom weiten angesehen. Selbst bei meinem ersten Gleitschirmflug hatte ich die Hosen nicht so voll wie vor diesem Start. Ich rannte wie wild los, und hob tadellos ab.
Draußen in liegender Position war ich vom Fluggefühl und der neuen Perspektive überwältigt. Faszinierend die Geschwindigkeit, und wie einfach sich ein Drachen beschleunigen läst, die Kurvengeschwindigkeit ist selbst bei einen Schulungsdrachen nicht mit dem eines Schirms zu vergleichen. Die Landeeinteilungen sind etwas habbiger als mit dem Schirm, wir habens aber hin gekriegt, wie auch viele vor uns, und hoffentlich auch viele nach uns. Dank der Unterstützung von Daniel (Neuerdings auch Mitglied im LGFC) hatten wir Eindrucksvollen ersten Drachenflug.
Abschließend gesagt, die Strapazen haben sich gelohnt. Die Nössler Ausbildung ist sicher eine hart, und man muss sich am Funk einiges anhören. Während der Schulung waren auch oft Gleitschirmschüller mit von der Partie, und man hörte immer wieder Sprüche von Klaus. Hie ein kurzer Auszug: „laf, laf,laf ,laf jo wirst du lafen“ das hörte ich wahrscheinlich tausend Mal, oder : „ He , lafn hob i gsog sullst, und koan Eiertanz do oba!“ Dan noch der Spruch: „ Afrecht drin heken, Körperspannung halten, du henkst drin wia a nosa Fetzen!“ oder der: „ Wos wüllst ?! Höhenfluge mochn?! Na, du gehst do sicha noch 20 mol aufi bevor i mit dir Höhenflüge moch! der war auch nicht schlecht:“ Herz auf fan rachen vorn Start, das vatrogs ihr net, des nebelt eier Hirn ein!“ dieser galt Didi, Mario aus Graz und mir. Und hier mein persönlicher Favorit, galt ebenfalls uns dreien: „ Burschen seits eh kuraschiert, hobts aus der Scheiße a noch wos gmocht!“
Trotz allem war es ein Spaß am Schulungsgelände, und die Bilder beweißen, dass sich der Schweiß und die Anstrengungen bezahlt gemacht haben.
Wie schon erwähnt, bei Skywalley geht man durch eine harte Schule, aber es geschieht nur zum Besten des Flugschülers, denn wenn man in der Luft ist kann einem keiner mehr helfen.
Klaus, im Namen von Didi und mir, Danke für alles, und es war trotz allem ein Spaß!!!
The End






